Klosterkirche

Die Klosterkirche ist eines der bedeutendsten barocken Bauwerke der Schweiz. Über 800 Jahre (1027 bis 1841) beten und wirken hier Benediktinermönche segensreich. 100 Jahre nach der Klosteraufhebung übergibt der Kanton Aargau die Klosterkirche 1941 der Katholischen Kirchgemeinde Muri, die seither die Kirche sorgfältig restauriert und unterhält. Die Vereinigung der Freunde der Klosterkirche Muri unterstützt die Kirchgemeinde dabei tatkräftig. Die Geschichte der bald 1000-jährigen Abtei wird zurzeit von der Stiftung «Geschichte Kloster Muri» aufgearbeitet und publiziert.

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Oktogon
Das Oktogon ist ein barocker Bau aus den Jahren 1695 bis 1697 und wird zur Zeit von Abt Plazidus Zurlauben von Giovanni Battista Bettini aus Lugano erbaut. Mit seinen 20 Metern Spannweite ist es das grösste Oktogon der Schweiz. Die Ausstattung ist Rokoko und entsteht 50 Jahre später, 1745 bis 1750, unter Fürstabt Gerold I. Haimb. Sie wird vor allem durch süddeutsche Künstler geschaffen.
Die Deckenbilder werden 1697 von Francesco Antonio Giorgioli aus Meride gemalt. Das Kuppelbild zeigt Allerheiligen. Es sind über 100 Heilige, die sich um Christus mit dem Kreuz, um Gott Vater und den Heiligen Geist gruppieren. In den Medaillons sind Missionare aus dem Benediktinerorden dargestellt, auf dem Fries unter den Fenstern Szenen aus dem Leben Jesu.
Biographie des Malers Giorgioli
http://tessinerkuenstler-ineuropa.ch/deu/giorgioli-f-deu.html
 
Chor
Oktogon und Chorraum sind durch ein spätbarockes Gitter (1746) von Johann Caspar Hoffner aus Konstanz getrennt. Hinter dem Gitter begann die Klausur, der den Mönchen vorbehaltene Raum.
Der Chorraum mit dem Chorgestühl und dem Hochaltar ist das geistige Zentrum des Klosters. Im Chorgestühl versammeln sich die Mönche täglich zu den Stundengebeten Vigil (Matutin), Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper und Komplet.
Das Chorgestühl mit seinen 44 Sitzplätzen wird zwischen 1650 und 1659 vom Murianer Simon Bachmann geschnitzt. Es ist das erste dreireihige Gestühl der Schweiz.
Der Hochaltar, auf dem zur Klosterzeit täglich die heilige Messe gefeiert wird, ist das erste barocke Ausstattungsstück der Klosterkirche und datiert von 1745. Das Hauptaltarbild zeigt die Gefangennahme Jesu. Links im Chorraum ist der Sitz des Abtes, gegenüber der Zelebrantensitz. Die Decke, um 1510 unter Abt Laurenz von Heidegg in Form eines sechseckigen Sterns eingewölbt, zieren spätgotische Blumenornamente, die Leidenswerkzeuge Christi sowie die Darstellung der Verkündigung an Maria und ihre Krönung.
 
Krypta
Die Krypta, der unter dem Chorraum liegende unterirdische Kirchenraum, ist der älteste Teil der Klosteranlage und wird am 10. Oktober 1064 geweiht. Die dreischiffige Hallenkrypta ist der einzige Zeuge der romanischen Kirche. Die Deckenbemalung stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert, sie wird später übertüncht und bei Renovationsarbeiten 1932/33 wieder freigelegt.
 
Kreuzgang
Der Kreuzgang entsteht 1534/35 unter Abt Laurenz von Heidegg. 1695 muss der Nordflügel dem barocken Oktogon weichen. Die renaissancen Glasmalereien stammen hauptsächlich von Carl von Egeri und Heinrich Leu und entstehen zwischen 1558 und 1624.
Der Innenhof und die drei verbliebenen Kreuzgangflügel werden 1953 bis 1957 restauriert. Gleichzeitig werden die seit der Klosteraufhebung in Aarau verwahrten einzigartigen Renaissance-Glasfenster wieder eingesetzt.
 
Glocken
In drei Türmen der Klosterkirche hängen gesamthaft neun Glocken. Zwei weitere hängen in den Dachreitern über den beiden Oktogon-Seitenkapellen. Nur die grösste, die Leontiusglocke, ist elektrifiziert, die übrigen Glocken sind alle von Hand zu läuten.
 
Die Leontiusglocke hängt im Nordturm und wiegt rund 4300 kg. Sie stammt aus dem Jahre 1750 und wird 1907 von Rüetschi in Aarau umgegossen. Ihr Durchmesser beträgt 193 cm. Sie ist in G gestimmt.
 
Sechs Glocken hängen im Südturm:
Angelusglocke, gegossen 1551, Gewicht: 2200 kg, Stimmung cis
Vesperglocke, gegossen 1679, Gewicht: 1100 kg, Stimmung e
Sturm- und Feuerglocke, gegossen 1679, umgegossen 1955, Gewicht: 550 kg, Stimmung g
Festglocke, gegossen 1750, Gewicht: 200 kg, Stimmung cis"
Bruder-Klausen-Glocke, gegossen 1977, Gewicht: 360 kg, Stimmung h. Sie ersetzt die «Pestglocke» aus dem Jahre 1827. Diese ist seither im Kreuzgang aufgestellt.
Ungenannte Glocke, gegossen 1697, Gewicht 130 kg, Stimmung e''
 
Im Vierungsturm, dem sogenannten «Güggelturm», hängen zwei Glocken, eine aus dem 15. Jh., die andere von 1602.
 
Die beiden Glocken über den Seitenkapellen stammen von 1647 (Leontiuskapelle) und von 1695 (Benediktskapelle).
 
Loretokapelle mit Habsburgergruft
Im Nordflügel des Kreuzgangs findet sich die 1698 eingerichtete Loretokapelle. Diese steht in der Tradition der «Casa Santa» in Loreto/Italien. Die Legende berichtet, dass das Haus, in dem Maria geboren wurde und aufgewachsen ist, von Engeln an die Küste von Ancona gebracht wurde. Zur Verehrung der Muttergottes wurde die «casa santa», das heilige Haus, an verschiedenen Orten, so auch in Muri, nachgebaut.
In Muri befindet sich in der Loretokapelle seit 1971 die Familiengruft der Nachfahren des Hauses Habsburg. Hinter dem Altar der Kapelle ruhen die Herzen des letzten österreichischen Kaiserpaares, Karl I. und Zita von Bourbon-Parma. In der Gruft haben ihre Nachkommen ihre letzte Ruhestätte gefunden. Im Kreuzgang steht eine Bronze-Büste des seligen Kaisers Karl I. Es ist ein Abguss derselben Büste, die auch in der Kapuzinergruft in Wien steht.